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Im letzten Blogbeitrag hat uns Christoph Kaula gezeigt wie man auf einfachem Wege etwas für bedrohte Tierarten und somit den Naturschutz leisten kann. Doch bevor man weiß, welche Tierarten überhaupt in einem Ökosystem vorkommen und welche davon eines besonderen Schutzes bedürfen, braucht es intensive Feldforschung. Einer dieser Feldforscher ist unser langjähriges Mitglied Paul Kornacker, welcher sich im Rahmen seines Forschungsprojekts im Süden Namibias mit den in den Tirasbergen vokommenden Reptilien beschäftigt und uns im folgenden einen kurzen Einblick in seine Arbeit gibt.


Eine wissenschaftliche Untersuchung zu den Reptilien im Süden Namibias

Verborgen in Felsspalten, versteckt im Boden oder unter Baumrinde, angepasst an die extremen Bedingungen der Wüste, so lebt in den Tirasbergen eine Vielzahl von Reptilien.

Eine Farm in den Tirasbergen diente als Ausgangspunkt der Forschungsarbeit

Reptilien zählen zu den ältesten Wirbeltieren,  bis heute sind weltweit 10.450 Arten beschrieben. In Namibia sind 268 Arten bekannt. In dieser Region des südlichen Namibias findet sich eine besonders große Vielfalt an Echsen, von denen eine große Zahl nur hier leben, sog. Endemiten. Herpetologen (Wissenschaftler, die sich mit Amphibien und Reptilien beschäftigen) rechnen für die Tirasberge mit ca. 50 Arten von Echsen, Schlangen, Schildkröten und Amphibien!

Eine prächtige gefärbte Felsenagame

Die Tirasberge erstrecken sich im Süden Namibias auf ca. 60 km Länge entlang der D 707 in Richtung Norden bis hinter die Grenzen der Farm Namtib. Seit September 2016 untersuche ich nun die Reptilienfauna. Diese wissenschaftliche Studie soll Auskunft geben, wie viele Arten dort leben, wie ihre Lebensbedürfnisse sind und wie viele Exemplare es von ihnen gibt. Bis in welche Höhen dringen Tieflandarten vor und mit welchem Artenwandel ist zu rechnen? Kommt es in den höher gelegenen Bereichen zu isolierten Populationen, die sich genetisch von den westlichen und östlichen Vorkommen unterscheiden oder sogar zur Entstehung neuer Arten? Und wie wirkt sich Beweidung durch Wild- und auch Haustiere auf die Artenzusammensetzung und die Individuendichte der Reptilienpopulationen aus?

Ein weiteres Ziel dieser Arbeit ist auch, die Bedeutung des Ökosystems „Tirasberge“ mit seinen unterschiedlichen Lebensbereichen (Felsen, sandige Flächen, Baumbestände, etc.) zu erfassen und Auswirkungen von Klimawandel und ökologischen Störungen auf die dort vorhandenen Lebensgemeinschaften darzustellen. Amphibien und Reptilien gelten seit Langem als sehr gute Bioindikatoren und werden gerne für die Kontrolle von Lebensräumen herangezogen.

Basierend auf diesen Untersuchungen erhoffen wir, wertvolle Erkenntnisse  zum Schutz einiger noch wenig bekannten, nur hier vorkommenden und daher speziell angepasster Arten, zu erhalten. Dazu zählen z. B. Narudasia festiva, ein etwa 6 cm langer, tagaktiver Gecko oder Koch's Bellgecko (Ptenopus kochi), der seinen Namen den Staccatotönen verdankt, womit er, besonders in der Dämmerung, für eine besondere Akustik in der Wüste sorgt.

Spannend ist auch die Frage der Artzugehörigkeit und Verbreitung diverser Schlangenarten, wie z. B. bei der Speikobra, der Schildkobra oder der Schwarzen Mamba.

Eine solche umfassende Studie hat es in den Tirasbergen bislang noch nicht gegeben. Es soll daher als Pilotprojekt dienen und der Beginn für weitere, faunistische, wie botanische  Untersuchungen sein.

Die Erfassung der Reptilien erfolgt nach standardisierten Methoden. So werden entlang festgelegter Beobachtungsstrecken (Transekte), die zu bestimmten Zeiten immer wieder abgegangen werden, die Individuen visuell oder durch Fangen erfasst.

Hier wird eine Felsenagame vermessen

Wiegen, vermessen, Gewebeproben nehmen und das alles nur mit zwei Händen!

Für nachtaktive und bodenbewohnende Arten kommen u. a. Eimer- und Trichterfallen mit Fangzäunen zum Einsatz. Diese Art der Erhebung gibt Auskunft über die Anzahl der Individuen und die vorhandene Artenvielfalt. Bei der Fang-Wiederfang-Methode können Arten auf ihre Populationsdichten untersucht werden. Dafür werden die Tiere mit einer hautverträglichen Farbe markiert.

Zusätzlich zu diesen Erfassungsmethoden werden vorsichtig Gewebeproben entnommen. Eine kurze und für die Tiere gefahrlose Maßnahme. Die Proben werden später im Cheetah Conservation Found in der Nähe von Otjiwarongo genetisch untersucht.

In Zusammenarbeit mit dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn, wird das Projekt durch die Wüstenforschungsstation Gobabeb und dem Cheetah Conservation Foundunt unterstützt. Dabei spielt die Integration namibischer Studenten und/oder Wissenschaftler, auch aus Deutschland oder anderen Ländern, perspektivisch eine bedeutende Rolle im Vorhaben. Öffentlichkeitsarbeit und die damit verbundene Aufklärung über Reptilien, insbesondere die über Schlangen, sind ein weiterer Aspekt.

Da das Projekt bislang keine finanziellen Zuwendungen erhält, ist es auf Spendengelder und die Unterstützung durch Sponsoren angewiesen.

An dieser Stelle gilt mein Dank allen Sponsoren (s. hierzu auch www.pkornacker.de/partner-sponsoren/). Besonders bedanken möchte ich mich bei den Farmbesitzern Thorsten und Linn Theile, die mich großzügig während der gesamten Projektzeit auf ihrer Farm aufgenommen haben.

Wer mehr über das Projekt erfahren möchte kann sich direkt an mich wenden P.Kornacker@leibniz-zfmk.de; pkornacker@aol.com


Ihr habt über ähnliche Projekte zu berichten, arbeitet an einem speziellen den Naturschutz betreffenden Thema oder wollt vielleicht auf ein bestimmtes Problem aufmerksam machen? Dann schickt uns eure Ideen, Beiträge, Bilder an blog-redaktion@gdtfoto.de.

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Natur schützende Naturfotografen?

Eigentlich selbstverständlich, würden einige sicherlich sagen, etwas skeptisch schauen würden wohl einige andere. Die Themen „Ethik in der Naturfotografie“ und „Naturschutz und Naturfotografie“ sind nach wie vor viel diskutiert, wie unter anderem die Veranstaltung „Ethik und Naturschutz in der Naturfotografie“ des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) auf der Insel Vilm im Jahr 2015 gezeigt hat. Dass ein Blog nicht die geeignete Diskussionsplattform hierfür sein kann, ist klar. Soll sie auch gar nicht, vielmehr wollen wir in dieser Serie unseren Mitgliedern und anderen Naturfotografen eine Plattform bieten, sich und Ihre Arbeit für den Naturschutz kurz vorzustellen. So wollen wir zeigen, was neben den zahlreichen Diskussionen zu dem Thema längst in der Praxis passiert und vielleicht den ein oder anderen zum Nachmachen, Nachdenken, Nachfragen anregen. Den Anfang damit macht Christoph Kaula mit einem kurzen Beitrag zum Spatzenhotel im Storchennest.


Jahr um Jahr werden Laichgewässer zubetoniert, Höhlenbäume gefällt und der Lebensraum für Flora und Fauna schwindet. Wir, die uns an der Natur erfreuen, werden stets mit diesen traurigen Tatsachen konfrontiert. Durch unsere Naturfotos können wir einen Zugang zur Natur und deren Schutz schaffen. Wenn wir darüber hinaus auch noch ein wenig Energie in den aktiven Arten- und Naturschutz investieren, dann können wir (zumindest kleinräumig) die Natur und ihre Bewohner unterstützen.

Mir war es mir schon immer ein großes Anliegen, der Natur etwas zurückzugeben.
Vor wenigen Jahren kauften meine Eltern einen einzeln stehenden, alten Hof in Nordhessen. Er liegt in einer bergigen Kulturlandschaft, von der aus das Wasser in ein Tal am Fuße des Grundstücks fließt. Da sich das Wasser dort staut, haben wir gleich zu Anfang mehrere Teiche ausgehoben. Schon nach ein paar Wochen kamen regelmäßig Hirsche und Rehe zum Trinken, Schwarzstörche flogen über die Fläche und Frösche nutzten die Teiche als Laichgewässer. In Zukunft wollen wir noch einen deutlich größeren Teich anlegen. Im Sommer möchte ich eine Legesteinmauer an den Südhang bauen, damit auch Reptilien und Insekten einen Unterschlupf finden können.

Anfang des Jahres war es Zeit für ein neues Projekt: Da die Ederauen nicht fern sind, lag es nahe, auf dem alten, unbenutzten Kamin einen Storchenhorst zu installieren.

Das Grundgerüst bildet eine Siebdruckplatte und Reste vom Terrassenbau.

Auf der Unterseite ist eine Holzfassung um den Kamin verschraubt.

Zwischen jeder Sprosse entstand ein Spatzennistkasten.

Ein Weidengeflecht bildet den Storchenhorst.

Insgesamt befinden sich jetzt 16 Spatzennistkästen unter dem Storchennest, die ohne weiteren großen Aufwand lediglich durch das Anschrauben eines weiteren Bretts entstanden sind.

Der alte Kamin hat Öffnungen zu zwei Seiten. Da er jedoch nicht mehr genutzt wird, bietet er Platz für einen Waldkauz oder Dohlen. Damit diese jedoch nicht in den Kamin fallen können, haben wir circa 30cm unter der Öffnung ein Brett eingemauert. Außerdem ist deutlich tiefer im Kamin noch ein zweites Brett eingemauert. Durch mehrere kleine Öffnungen zwischen den Ziegeln des alten Kamins könnten hier Fledermäuse einziehen.

Anschließend wurde der Horst noch mit reichlich Nistmaterial befüllt und nachträglich mit weißer Kalkfarbe bespritzt, damit er möglichst benutzt aussieht und besser angenommen wird.

Natürlich muss es nicht gleich ein Storchennest auf eurem Dach sein. Es reichen schon ganz kleine Veränderungen an Balkon, Terrasse oder im Garten.

Auch Bilche, wie dieser Siebenschläfer, profitieren von künstlichen Nisthilfen.

Aktiver Naturschutz muss nicht unbedingt mit großem Aufwand verbunden sein. Aus alten Holzresten lässt sich schnell ein Nistkasten oder eine Halbhöhle bauen, ein bisschen Schilf bietet Möglichkeiten für ein Insektenhotel, ein paar alte Ziegel lassen sich schnell zu einem Unterschlupf für Kriechtiere und Insekten zusammenlegen und ein matschiger Bereich im Garten kann zu einem Tümpel für Amphibien und Co. umgebaut werden.
Außerdem erfreut das nicht nur die Tiere, auch wir haben etwas davon, wenn wir sie dann beobachten können.


Christoph Kaula
www.impressionenjaeger.de


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