EUROPÄISCHER NATURFOTOGRAF DES JAHRES 2020

Die Gesellschaft für Naturfotografie e.V. (GDT) präsentiert die Siegerbilder des Wettbewerbs Europäischer Naturfotograf des Jahres 2020 – Jasper Doest aus den Niederlanden gewinnt den Wettbewerb mit seinem Bild Des Affen Maske!

Gesamtsieger: Jasper Doest (Niederlande)

Jasper Doest | Des Affen Maske | A monkey's mask

DES AFFEN MASKE

Im heutigen Japan hat sich der Japanmakak (Macaca fuscata), auch Schneeaffe genannt, von einem verehrten religiösen Symbol zu einem säkularen Prügelknaben, einem verunstalteten Ausgestoßenen und zum Ziel des Spottes entwickelt – er ist nicht länger heilig. In Utsonomiyas Kayabuki-Taverne nimmt der Japanmakak Fuku-chan während seiner Aufführung mit Yume-chan, dem ältestem Affen des Tavernen-Besitzes, seine Maske aus Papiermaché ab. Nach dem Abendessen können die Gäste der Taverne den Makaken dabei zuschauen, wie sie auf einer behelfsmäßigen Bühne mit Hilfe verschiedener Requisiten Kunststücke vorführen. Das erinnert mich an ein japanisches Gedicht aus dem 17. Jahrhundert von Matsuo Bashō: „Jahr um Jahr / trägt der Affe / eine Affenmaske“, das sich auf einen Affen bezieht, der immer wieder die gleichen Kunststücke vorführt, oder auf einen Menschen, der in seinem Leben immer die gleichen Fehler macht. Wann werden wir jemals etwas aus unseren Fehlern lernen?

[Canon EOS 5D Mark IV, 2.8/24-70mm, ISO 800, 2 Profoto-Blitzgeräte]


BIOGRAFIE JASPER DOEST

Der niederländische Fotograf Jasper Doest entwirft visuelle Geschichten, die die Beziehung zwischen Mensch und Natur beleuchten. Doest hat Ökologie als Hauptfach studiert, und ihm ist bewusst, dass das menschliche Leben von allem abhängt, was unser Planet zu bieten hat. Daher erkennt er auch die Unhaltbarkeit der gegenwärtigen menschlichen Konsummuster. Überzeugt davon, dass Fotografie die Kraft besitzt, Veränderungen zu initiieren, ist Doest langjähriges Mitglied der International League of Conservation Photographers (ILCP) und Botschafter des World Wildlife Fund. Darüber hinaus ist er als Fotograf für das Magazin National Geographic tätig, und seine Bilder wurden in zahlreichen renommierten Wettbewerben ausgezeichnet, darunter World Press Photo, Wildlife Photographer of the Year und Europäischer Naturfotograf des Jahres.

Das Siegerfoto ist Teil einer Geschichte, die Licht auf die komplexen Beziehungen zwischen Menschen und Japanmakaken wirft. Mit Hilfe der moralischen Werte, die auf alten japanischen Traditionen beruhen, hofft Jasper, einen Dialog in Gang setzen zu können, der vielleicht dazu beiträgt, eine Lösung für dieses wachsende Problem in einem Land zu finden, das mit einer rasch alternden Gesellschaft und ausgeprägter Landflucht zu kämpfen hat.

www.jasperdoest.com

Kategorie 1: Vögel

Die oft faszinierende Fortpflanzung der Vögel , die Dynamik des Vogelzuges, der oftmals dramatische Kampf um Nahrung, bizarre Formen und prächtige Farben sowie die Eleganz des Fluges sollen in den Bildern dieser Kategorie zum Ausdruck kommen.

Kategorie 2: Säugetiere

Vom Feldhamster bis zum Elefanten, vom Blauwal bis zur Fledermaus – die Welt der Säugetiere ist bunt und facettenreich. Gefragt sind Bilder, die das Wesen dieser Tiere zum Ausdruck bringen, von ihrem Verhalten erzählen oder sie in ihrem natürlichen Lebensraum zeigen.

Kategorie 3: Andere Tiere

Aussehen und Lebensgewohnheiten von Reptilien, Amphibien, Insekten, Spinnen und Weichtieren sind oft spektakulär. Bilder, die den Blick auf den Charakter und die Schönheit dieser Tiere lenken, sind hier gefragt.

Kategorie 4: Pflanzen und Pilze

Diese Kategorie möchte den Blick des Betrachters sowohl auf die Schönheit und Ästhetik von Pflanzen und Pilzen, als auch auf ihre Anpassungen an den Lebensraum lenken. Hier werden Bilder gesucht, die z. B. mit Licht und den Mitteln moderner Bildgestaltung spielen.

Kategorie 5: Landschaften

Von der Kulturlandschaft vor unserer Haustür bis hin zu entlegenen Regionen der Welt, vom Detail bis zu großen Übersichten der Lebensräume, von Wetterphänomenen bis zu der gestaltenden Kraft von Wind und Wasser reichen die Themen dieser Rubrik.

Kategorie 6: Unterwasserwelt

Der blaue Planet – 71% seiner Oberfläche sind von Wasser bedeckt. Meere, Flüsse und Seen beherbergen eine unendliche Fülle von Leben. Diese Kategorie gibt uns einen Einblick in eine verborgene Welt, mit ihren Tieren, Pflanzen und Lebensräumen, im Süß- wie im Salzwasser.

Kategorie 7: Mensch und Natur

Der Mensch greift auf vielfältige Weise in die Natur ein. Bildbeispiele für solche Eingriffe sind das Thema dieser Kategorie. Fotografien, die aufrütteln, nachdenklich stimmen, überraschen oder einfach nur zum Schmunzeln anregen.

Kategorie 8: Atelier Natur

In diese Kategorie gehören Bilder, die sich mit Farben und Formen der Natur über das rein Gegenständliche hinaus beschäftigen. Hier kann der Fotograf seine Sichtweise, sein ästhetisches Empfinden und seine fotografische Experimentierfreudigkeit zum Ausdruck bringen.

Kategorie: Jugend bis 14 Jahre

In dieser Kategorie werden Jugendliche in den Altersklassen bis 14 Jahre und 15 bis 17 Jahre eingeladen, ihre besten fünf Naturfotos thematisch ungebunden einzureichen (sie brauchen sich NICHT an die vorgegebenen Kategorien zu halten).

Kategorie: Jugend 15 - 17 Jahre

Kategorie: Fritz Pölking Preis und Fritz Pölking Jugendpreis

Der Fritz Pölking Preis ist ein Sonderpreis des Wettbewerbs und wird seit dreizehn Jahren zu Ehren des 2007 verstorbenen Fritz Pölking von der Gesellschaft für Naturfotografie (GDT) gemeinsam mit dem Tecklenborg-Verlag ausgeschrieben. Er wird jährlich für ein herausragendes fotografisches Werk vergeben.

zum Fritz Pölking Preis

Geleitwort - Europäischer Naturfotograf des Jahres 2020

von Prof. Dr. Beate Jessel

Fotografien ermöglichen auf einzigartige Weise, innerhalb weniger Sekunden eine Vielzahl an Emotionen bei den Betrachtenden zu wecken. Dies trifft auch auf die Bilder des diesjährigen Wettbewerbs Europäischer Naturfotograf des Jahres der GDT zu. Während eine Vielzahl der eingereichten Bilder die ungezähmte Natur in ihrer Wildheit, Schönheit und Unberührtheit zeigt, sind die Gefühle und Assoziationen, die das diesjährige Siegerfoto von Jasper Doest in uns weckt, ausgesprochen vielfältig und auch widersprüchlich. Es bewegt die Betrachtenden und regt einen stillen Diskurs mit uns an, indem es den menschlichen Umgang mit Wildtieren und der Natur in Frage stellt.
Die Abbildung zweier bekleideter Schneeaffen, die in einem japanischen Restaurant mit ihren Auftritten die Gäste unterhalten, gibt einen schlaglichtartigen Einblick in die traditionelle japanische Kultur. Mehr als tausend Jahre reicht die Tradition der Dressur von Schneeaffen zurück, denn Makaken gelten als Vermittler zwischen Göttern und Menschen.
Das in gedämpftem Licht gehaltene Bild mit den beiden Affen im Zentrum weist durch die Vermenschlichung der beiden Tiere einen starken inhaltlichen Kontrast auf: Die Affen werden in einer vom Menschen geschaffenen, artifiziellen Umgebung gezeigt, während der Hintergrund des Raums mit der Zeichnung einer Waldlandschaft als Gegenpol einen Verweis auf den ursprünglichen Lebensraum der Affen liefert. Durch die Verkleidung sowie die Maske wird diese Diskrepanz zwischen dem Dasein als Wildtier versus kostümierten Zirkusaffen weiter verstärkt. Die Menschenmaske, die der Affe sich nach der Show abzieht, führt auf eine weitere Metaebene: Nicht nur sind die Tiere ihrer Freiheit beraubt, sondern sie müssen darüber hinaus durch Verkleidung und Masken die Verursacherinnen und Verursacher ihrer Gefangenschaft belustigen und unterhalten. Der Anthropomorphismus führt bei dem Betrachter dazu, eine Müdigkeit sowie Resignation der Affen im Gesicht abzulesen, die, statt in Freiheit durch die Wälder im Hintergrund zu streifen, für die Unterhaltung der Menschen sorgen. Die Kette um den Hals des Affen im Hintergrund zeigt zudem die Hoffnungslosigkeit auf, dieser Situation entfliehen zu können.
Was das Foto nicht zeigt: Während die Schneeaffen zum einen dressiert für die Unterhaltung des Menschen sorgen und auf die jahrhundertealte Tradition verwiesen wird, werden zum anderen jedes Jahr mehrere tausend Exemplare ihrer freilebenden Artgenossen in Japan getötet, da sie Schäden an Feldfrüchten verursachen.
Im Zusammenspiel der verschiedenen Facetten des Umgangs der Menschen mit den Schneeaffen zeigt sich das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Betrachtenden auch aus anderen Kulturkreisen drängt sich unweigerlich die Frage auf, welchen Umgang mit Wildtieren wir heute für angemessen halten und ob eine Zurschaustellung zur Unterhaltung des Menschen in dieser Form zeitgemäß ist.

Festzuhalten bleibt damit, dass derartige Fotografien weitaus mehr können als nur die Schönheit der Natur festzuhalten, sondern mit ihrer dokumentarischen Kraft zum Denken, Überdenken und manchmal auch zum Umdenken anregen können. Dies gilt speziell für unsere eigenen Verhaltensweisen. Im vom Menschen geprägten Zeitalter des Anthropozän, angesichts der Herausforderungen des Klimawandels und des anhaltenden Rückgangs der biologischen Vielfalt, sind das Innehalten und das Überdenken der eigenen Position wichtiger denn je. Zu den über 19.000 Fotografien, die aus 38 Ländern eingesandt wurden, gehören Bilder, die uns staunen lassen angesichts der Schönheit der Natur, sowie Bilder, die uns unseren Umgang mit der Natur vor Augen führen. Gemeinsam leisten sie einen wertvollen Beitrag dazu, uns die Dringlichkeit unseres Handelns zum Schutz der Natur in Erinnerung zu rufen und zu zeigen, dass sich der Einsatz dafür lohnt.


Prof. Dr. Beate Jessel
Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz
Schirmherrin des Wettbewerbs

Kommentar der Jury

von Angel Fitor

Eine Ikone unserer Zeit

Vor der Kulisse eines Waldes setzt ein verkleideter Affe seine Maske ab.

Wenn die Maske fällt, stürzt plötzlich die Mauer aus Arroganz ein, die wir über Jahrhunderte hinweg zwischen der Natur und uns errichtet haben. Noch nie zuvor hat ein Tierporträt uns selbst so gut gespiegelt: Hinter unserer menschlichen Maske steckt ein nackter Affe.

In der gemütlichen Vertrautheit unseres Zuhauses sitzend, und gezwungen, einander während der durch Covid-19 auferlegten Videokonferenz noch aufmerksamer zuzuhören, haben wir, die Juroren des Wettbewerbs Europäischer Naturfotograf des Jahres 2020, unsere Diskussionen auf eine Ebene des Austauschs gehoben, die unter anderen Umständen heute kaum noch zu finden ist. Ohne die Signale von Gesten und Körpersprache berücksichtigen zu können, hingen wir buchstäblich an jedem Wort, das von den eingerahmten „sprechenden Köpfen“ der anderen Juroren kam! Glücklicherweise waren die meisten von uns bereits sehr erfahren in der Beurteilung von Wettbewerbseinsendungen, aber dieses schicksalhafte Jahr hatte uns unter außergewöhnlichen Umständen zusammengeführt, und ich wage zu behaupten, dass diese unvorhergesehene Konstellation in Kombination mit einem breiten Spektrum außergewöhnlicher Bilder diesen Auswahlprozess zur Jurierung unseres Lebens machte.

Im Verlauf der Vorjurierung bestätigte sich, was die meisten von uns bereits wissen, aber nur widerstrebend akzeptieren möchten: die beunruhigende Zunahme an Fotografen, deren wichtigste Triebfeder es zu sein scheint, um jeden Preis gewinnen zu wollen. Manipulation und Inszenierung, bis hin zur Schaffung völlig unnatürlicher Situationen, durchzogen die Kategorien, in denen es um leicht zu manipulierende Lebewesen geht – Insekten, Amphibien und Reptilien. Aber vor allem auch in der Kategorie Unterwasserwelt, der ich dieses Jahr die Ehre hatte, mit meinem Fachwissen zu dienen. Wir alle haben unser breites Wissen, unsere Erfahrung und unsere Intuition eingesetzt, um zu verhindern, dass solche Bilder weiterkamen.

Auch wenn diejenigen, die die Natur mit Hilfe der Fotografie für eigennützige Interessen nutzen, nicht die Mehrheit darstellen, ist der zunehmende Trend doch offensichtlich genug, um Naturfotografen auf der ganzen Welt in Alarmstimmung zu versetzen. Manipulation wirkt sich nicht nur in vielfältiger Weise auf das Wohlbefinden der Tiere aus – das Spektrum reicht hier von leichtem Unbehagen bis zum Tod – sondern sie erzeugt auch ein stetiges Anheben der visuellen Messlatte, was wiederum andere dazu veranlasst, durch noch stärkere Manipulationen erfolgreich sein zu wollen. Abweichend vom journalistischen Ansatz, der hier als die Darstellung von Natur, wie sie tatsächlich ist, definiert wird, erzeugt eine solche Manipulation eine zutiefst verzerrte Wahrnehmung von Natur bei einem breiten Publikum, das zumeist leider nicht über genügend Sachkenntnis oder Wissen verfügt, um die Wahrheit hinter der „neuen Realität“ solcher Bilder zu erkennen.

Letztlich zwingen die üblen Praktiken einiger weniger Fotografen die Umweltbehörden dazu, ihre Bedenken gegenüber der Gesamtheit der Naturfotografen zum Ausdruck zu bringen. Eine gründliche Überprüfung der Regeln und Verfahren in jedem Naturfotowettbewerb, die Schaffung eines internationalen unabhängigen Expertenkomitees im Dienste der Wettbewerbs-Organisatoren und die Erstellung so genannter „Schwarzer Listen“ – diese und andere Maßnahmen werden zurzeit in vielen Diskussionsforen besprochen. Keine dieser Maßnahmen wird jedoch Erfolg haben, wenn sich nicht jeder von uns eindeutig dazu verpflichtet, diese bedauerlichen und unethischen Verhaltensweisen aus unserer Gemeinschaft zu verbannen.

Unsere Arbeit als Juroren bot uns auch einen Blick auf die Kluft, die sich zwischen den klassischen Ansätzen der Naturfotografie und dem so genannten fotojournalistischen Stil zu vertiefen scheint. Zu den Themen, die wir zur Sprache brachten, gehörten die klassischen Natur- und Tierfotografen, die sich durch die einflussreiche Arbeit von Fotojournalisten bedroht fühlen; die Gefahr, dass Fotojournalisten den Wert der einfachen Schönheit unterschätzen, die im klassischen Ansatz festgehalten wird; die Vorliebe der Medien für dramatische Darstellungen von Tierverhalten und der Druck, der von Reisen zu Foto-Paradigmen ausgeht.

Die meisten von uns verdanken ihre Liebe zur Natur dem klassischen Ansatz, der sich auf die reine, unverfälschte Schönheit konzentriert. Dieser Ansatz ist nach wie vor unersetzlich, um sich mit der Natur zu verbinden und sich in sie einzufühlen, da er die kostbare Essenz der reinen und unschuldigen Faszination bewahrt, wie sie Kinder verspüren, die die Natur zum ersten Mal wahrnehmen. Aber die Natur ist von uns so stark beeinflusst und geschädigt worden, dass wir unbedingt tiefer blicken müssen, um die Komplexität und die Auswirkungen solcher Veränderungen in der natürlichen Ordnung zu verstehen; und das nicht nur, um diese Schäden aufzuhalten, sondern auch, um zu erkennen, dass das Schicksal der Natur und das der menschlichen Spezies untrennbar und unwiederbringlich miteinander verbunden sind.

Der Naturfoto-Journalismus sollte diese drängenden Fragen angehen, während die klassische Naturfotografie auch weiterhin visuelle Freude kreieren kann für all die unzähligen engagierten Menschen, die sich mit der Natur beschäftigen. In diesem Jahr setzte sich die Jury aus Fotografen und Redakteuren aus beiden Bereichen zusammen, und ehrlich gesagt war das manchmal nicht leicht zu bewältigen. Aber am Ende war es beruhigend zu beobachten, dass die unterschiedlichen Ansichten innerhalb der Jury nichts an unserem gemeinsamen Endziel änderten, das darin bestand, den größten Wert auf eine Vielfalt von Interpretationen der Natur aus der Sicht einiger der begabtesten Fotografen Europas zu legen.

Der Wettbewerb Europäischer Naturfotograf des Jahres ist bekannt für seine langjährige Tradition, die Natur aus einem sehr ästhetischen und figurativen Blickwinkel zu zeigen, und die diesjährigen Gewinner bilden da keine Ausnahme. Wie erwartet, zeichnen sich sowohl der allgemeine Wettbewerb als auch die mit dem Fritz-Pölking-Preis ausgezeichneten Bilder durch eine hervorragende ästhetische Qualität aus, aber auch inhaltlich haben sie uns in diesem Jahr Herausragendes gebracht. In diesem „Zeitalter der Banalität“ mit Millionen von Bildern, die minütlich gemacht werden, mögen vielleicht einige Betrachter die prämierten Bilder als zu durchdacht und zu komplex empfinden, um sie als kleine Facette des täglichen Freizeitverhaltens schnell konsumieren zu können. Es ist jedoch die präzise und harmonische Kombination von ausgefeilter Technik, einem ausgeprägten Sinn für Ästhetik und einer zum Nachdenken anregenden visuellen Erzählung, die außergewöhnliche Bilder auszeichnet.

Die diesjährigen Siegerbilder sind vereint in ihrem mutigen Engagement, die Realität dieser herausfordernden Zeiten darzustellen, mit denen wir uns konfrontiert sehen. Wir alle sollten stolz und dankbar dafür sein. In Deutschland gibt es ein perfektes Wort, um die Seele des diesjährigen Wettbewerbs zusammenzufassen: „ZEITGEIST“ – der Geist unserer Zeit.

Das Bild des Gesamtsiegers Jasper Doest hat das Potenzial, zu einer Ikone dieser Ära zu werden; ein Bild, das auf Anhieb Kraft ausstrahlt und die Sinne wachrüttelt durch die komplexen Fragen, die es aufwirft. In der Regel bleibt es ein unerreichbarer Traum für jede Jury, bei der Beurteilung eines Wettbewerbs auf ein solches Bild zu stoßen, doch dieses Mal wurde er wahr. Dieses Bild sagt uns viel: Es berührt uns, es bringt uns zum Schweigen, und doch stellt es Fragen, auf die es nur schmerzliche Antworten geben kann. In vielerlei Hinsicht offenbart es eine schreckliche Szene, und doch ist es wunderschön fotografiert: Farbe, Balance, Form, Gestalt, Komposition, Schärfe, Ausdruck, Blitz, Belichtung, Timing – alles stimmt.

Eine Ikone muss all diese Bedingungen erfüllen, und sie muss auch etwas zum Ausdruck bringen. Sie muss fesseln und Verbindung schaffen. Es ist sicher nicht das klassische Tierbild, das manche Menschen vielleicht lieber gesehen hätten, aber es bleibt ein Bild, das ein breites Publikum erreicht, und das klar und deutlich über einige sehr schwierige, aber wichtige Dinge spricht.

Das Jahrzehnt der 2020er Jahre wird ziemlich sicher den Weg bestimmen, wie sich unsere Welt für den Rest des Jahrhunderts entwickeln wird. Und unsere individuelle Verantwortung in jedem Aspekt unseres persönlichen und kollektiven Lebens hat Einfluss auf die künftige Richtung und den Charakter der globalen Gesellschaft. Deshalb ist es an der Zeit, den nackten Affen hinter der Maske zu umarmen.

Wir verfügen bereits über ein wirksames Medikament zur Heilung unserer kranken Welt, und es ist kein bewusstseinsveränderndes Mittel. Nein, es ist ein weitaus größeres Phänomen, eines, das uns die fast übernatürliche Fähigkeit verleiht, einen Bruchteil von Zeit und Raum einzufangen und uns dadurch in die Lage versetzt, ruhig zurückzublicken und darüber nachzudenken, wer wir wirklich sind und was wir tatsächlich tun: Wir nennen es Fotografie.

Im Namen der Jury,
Angel Fitor

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