FRITZ PÖLKING PREIS 2011

Sieger: Klaus Echle - Deutschland

Klaus Echle wurde 1964 im Oberwolfach im Schwarzwald geboren, wo er als „Wirtschaftskind“ in einer Gastronomen-Familie aufwuchs. Nach fast zehn Berufsjahren als Koch fand er schließlich 1988 seine Berufung und schlug die Laufbahn zum Dipl. Ing. FH, Forstwissenschaft, besser bekannt als Förster, ein.
Bereits seit Beginn des Studiums ist er aktiv im Naturschutz tätig. Daraus entwickelte sich sein fotografischer Schwerpunkt und Anspruch: Verhaltensweisen, ökologische Zusammenhänge, bedrohte Arten und Lebensräume sowie das Verhältnis von Mensch und Natur emotional, künstlerisch und ästhetisch darzustellen. So wurde er zum „Bilder-Geschichtenerzähler“. Wenngleich ihn mehrere Reisen nach Alaska, Kanada, Malaysia, Florida, Bulgarien und Griechenland geführt haben, liegt ihm doch die Schönheit und Besonderheit der heimischen Natur, vor allem des Schwarzwaldes, besonders am Herzen.
2003 wurde er als „Europäischer Naturfotograf des Jahres“ ausgezeichnet. Seine Aufnahmen haben unter anderem bei den Wettbewerben „Europäischer Naturfotograf des Jahres“, „Wildlife Photographer of the Year“ sowie „Glanzlichter“ Preise und Auszeichnungen erhalten.
Antrieb für seine Fotoprojekte bleibt weiterhin, mit seinen Bildern für die Einzigartigkeit der heimischen Natur zu begeistern und zu neuen Sichtweisen anzuregen.

www.echle-naturfoto.de

Projekt: Sophies Welt – Spannende Affäre mit einer Füchsin

Bereits seit Beginn seines Studiums zum Förster vor 21 Jahren wurde Klaus Echle mit der scheinbaren „Problematik“ des Zusammenlebens von Mensch und Wildtier konfrontiert. Es ist ihm daher immer ein großes Anliegen, mit seinen „Bilder-Geschichten“ für ein gutes Miteinander und mehr Toleranz zu werben und Begeisterung für die heimische Natur zu wecken.

Gerade Füchse, optisch äußerst attraktive Tiere, haben in der Öffentlichkeit oft ein schlechtes Image. Trotz vielfältiger Aufklärungsarbeit und statistischen Belegen zu den Themen Fuchsbandwurm und Tollwut, werden sie von Teilen der Bevölkerung als gefährlich oder schädlich eingeschätzt. Durch ihre Lern- und Anpassungsfähigkeit ist die Fuchsdichte im Siedlungsbereich in vielen Gegenden heute höher als im Wald. Naturnahe Gärten mit Komposthaufen, Futternäpfe von Haustieren oder an der Straße deponierte Müllsäcke sind bequeme Nahrungsquellen für viele Füchse.

Den Anstoß für die fotografische Umsetzung der Geschichte um die Füchsin „Sophie“ gaben zwei zeitnahe Telefonate. Mit „Herr Echle, sie sind doch der Förster und hier für die Wildtiere zuständig“ begann das erste Gespräch, das folgendermaßen weiterging: „Ich habe gar nichts gegen wilde Tiere, aber hier bei mir im Garten hat ein Fuchs nichts zu suchen. Kümmern sie sich bitte darum, dass er nicht mehr zu mir aufs Gelände kommt!“ So wie sich dieses Telefonat um einen Fuchs drehte, werden je nach Jahreszeit und natürlichem Zyklus auch Konflikte mit Mardern, Siebenschläfern, Fledermäusen oder Eichhörnchen an der Vogelfütterung vorgebracht.

Kurze Zeit nach diesem aufgeregten Anruf konnte Klaus Echle im Frühsommer auf einem Gang durch das Revier einen Jungfuchs beobachten. In derselben Woche erzählte ihm eine Jägerin am Telefon, dass bei einem Ansitz ein junger Fuchs in der Nähe des Hochsitzes gespielt hatte. Es stellte sich heraus, dass es dasselbe Tier war. Die Jägerin ist hauptberuflich Forstwissenschaftlerin und genauso neugierig und naturbegeistert wie Klaus Echle. Gemeinsam gelang es ihnen, die Füchsin „Sophie“ über ein halbes Jahr zu begleiten. Die Füchsin hatte großes Vertrauen in die beiden menschlichen Begleiter und ließ sie an einem Teil ihres Tagesablaufs teilhaben. Sie misstraute jedoch anderen Personen oder Fahrzeugen und zeigte hier ein natürliches, scheues Verhalten.

Für wilde Tiere in unserem Umfeld wünsche ich mir die gleiche Gelassenheit und Akzeptanz wie „Sophie“ sie uns in diesem halben Jahr entgegengebracht hat.
Klaus Echle | Portrait

Portrait
Entspannt und doch aufmerksam beobachtet die Füchsin von ihrem Aussichtspunkt aus die Umgebung. Abgesehen von der Zeit der Ranz und Jungenaufzucht verbringen Füchse die meiste Zeit außerhalb des Baus. Gerne suchte sich die Füchsin geschützte Ruheplätze mit gutem Überblick.

Klaus Echle | Spaziergang

Spaziergang
Nach einiger Zeit hatte die Füchsin genug Vertrauen gefasst und begleitete Klaus Echle und die Wissenschaftlerin streckenweise auf deren Spaziergängen.

Klaus Echle | Abendlicht

Abendlicht
Im letzten Leuchten des Abendlichts bekommt der Name „Rotfuchs“ eine ganz eigene Bedeutung.

Klaus Echle | Hochsitz

Hochsitz
Viele Wildtiere, so auch der Fuchs, nutzen jegliche Art von Erhöhungen,wie umgefallene Bäume, Wurzelstöcke oder Felsen, um die Umgebung zu beobachten. Von ihrer hohen Warte aus nahm „Sophie“ Spaziergänger oder Radfahrer wahr, lange bevor sie von ihren menschlichen Begleitern bemerkt wurden.

Klaus Echle | Schnuerend

Schnürend
Auf schlammigem Untergrund oder im Schnee zeigt sich erst, was mit der Fortbewegungsweise „schnüren“ gemeint ist. Wie Perlen auf einer Schnur reihen sich die Pfotenabdrücke hintereinander.

Klaus Echle | Siesta

Siesta
Vollkommen entspannt hält die Füchsin Siesta auf einem sonnigen, moosbewachsenen Felsen.

Klaus Echle | Durstig

Durstig
Durch den Kontakt zur Füchsin und die Beobachtung Ihres Tagesablaufs stieß selbst der ortskundige Förster auf versteckte, ihm bislang unbekannte Quellen.

Klaus Echle | Gierig

Gierig
Mit Hilfe einer Kamerafalle entstand dieses Bild eines Pekaris, das gerade aus den USA nach Mexiko eingewandert ist. Bislang sind die Grenzstrukturen durchlässig, aber die neuen Wandsegmente bestehen aus neun Meter breiten Barrieren, die aus Stahlträgern mit zehn Zentimeter breiten Lücken bestehen. Diese sind viel zu schmal, um größere Tiere durchzulassen.

Klaus Echle | Letztes Blaetterleuchten

Letztes Blätterleuchten
In den Grenzgebieten leben mehrere Arten, deren Überleben von einem zusammenhängenden Ökosystem abhängt, das sich von den USA bis nach Mexiko erstreckt. Ein ausgedehntes Netz von Nationalparks, archäologischen Denkmälern, Wildnis- und Naturschutzgebieten schützt bislang wichtige Lebensräume für Wildtiere und bedeutende kulturelle Ressourcen auf beiden Seiten der Grenze. Auf dem Foto ein Hase neben der Grenzmauer in der Nähe des Flusses San Pedro in Sonora, Mexiko.

Klaus Echle | Herbst

Herbst
Im Herbst ergaben sich besonders schöne Begegnungen mit „Sophie“. Die jahreszeitlichen Lichtstimmungen und die Veränderungen in der Natur schienen sich auch auf dem Fell der Füchsin zu zeigen.

Klaus Echle | Blaue Stunde

Blaue Stunde
Wie bei vielen Wildtieren lag auch die Hauptaktivitätszeit der Füchsin in den Stunden zwischen Tag und Nacht.

Klaus Echle | Fuchskuss

Fuchskuss
Anfang Dezember endeten die Begegnungen mit „Sophie“. Eines Tages blieb sie verschwunden. Vermutlich hat sie sich aufgemacht, um sich ein eigenes Revier zu suchen oder sie hat sich einem Fuchsrüden angeschlossen. Vielleicht wurde sie auch von einem stärkeren oder älteren Fuchs vertrieben.