EUROPÄISCHER NATURFOTOGRAF DES JAHRES 2021

Die Gesellschaft für Naturfotografie e.V. (GDT) präsentiert die Siegerbilder des Wettbewerbs Europäischer Naturfotograf des Jahres 2021 – Angel Fitor aus Spanien gewinnt den Wettbewerb mit seinem Bild Ballett der Medusen!

Gesamtsieger: Angel Fitor (Spanien)

Gesamtsieger | Overall winner: Angel Fitor (ES) | Ballett der Medusen | Medusa ballet

BALLETT DER MEDUSEN

Eigentlich waren es nur zwei Exemplare der Quallenart Cotylorhiza tuberculata, die sich in dieser Situation dicht unter der Wasseroberfläche bewegten, angetrieben durch ihre eigenen Kontraktionen und die an diesem Tag vorherrschende leichte Wirbelströmung. Die elf Medusen, die man auf dem Bild sieht, sind das Ergebnis von elf Blitzauslösungen unterhalb der beiden Individuen, während ich die Bewegung der Nesseltiere durch den Bildausschnitt verfolgte. Über sechs Jahre lang habe ich versucht, diese Bildidee umzusetzen, und ich musste unzählige Fehlversuche hinnehmen, was in Anbetracht der Unvorhersehbarkeit der Faktoren, die Voraussetzung für ein Gelingen waren, nicht verwundert.

Nikon D800, 1.8/20mm, ISO 50, Roscoluxfilter, Cinegel Roscosun 1/8 CTO auf dem Blitz, Stativ

ÖKOLOGISCHE KATASTROPHE AM MAR MENOR - dem Ort, an dem Ballett der Medusen entstand

Das Problem des Mar Menor ist in erster Linie die exzessive, fehlgeplante Entwicklung der Landwirtschaft in der Region und in zweiter Linie der massive Ausbau der touristischen Infrastruktur. So wurde die Region zu einem Musterbeispiel für schlechte Planung, Korruption und das Fehlen einer mittel- und langfristigen Planung.
Die wichtigste Folge dieser Praktiken und der Grund, warum das Ökosystem der Lagune zusammengebrochen ist, ist die Eutrophierung des Gewässers. Es ist ganz einfach: Zu viele Nährstoffe in einem praktisch geschlossenen System führten zu einer massiven Phytoplanktonblüte, die den gesamten Sauerstoff verbrauchte und das Ökosystem extrem belastete. Dies wiederum führte zum Absterben der meisten Seegras- und Algenbestände, die die Grundlage des Lebens in der Lagune waren. Seit den neunziger Jahren gab es mehre solcher Vorfälle, aber die der letzten fünf Jahre waren besonders katastrophal.
Mein Bild entstand 2014, kurz bevor die schwere Krise der letzten Jahre begann. Es ist eine Ode an das einzigartige Naturerbe, das die Lagune Mar Menor einst war.


www.theguardian.com/environment/2020
www.especiales.datadista.com


BIOGRAFIE ANGEL FITOR

Angel Fitor ist naturkundlicher Fotograf, Fotojournalist und Autor mit einem über Jahrzehnte autodidaktisch erworbenen Hintergrund in Meereswissenschaften, der sein Leben der Aufgabe gewidmet hat, den aquatischen Ökosystemen der Erde eine Stimme zu geben. Nachdem er in den späten 80er Jahren professioneller Fotograf geworden war, wurden seine Arbeiten in einer Vielzahl von Publikationen veröffentlicht, darunter Fachbücher, Online-Medien und diverse Magazine wie National Geographic und GEO. Seine Bilder haben bei den einflussreichsten Fotowettbewerben unserer Zeit große Anerkennung gefunden. Er erhielt Auszeichnungen bei World Press Photo, NHM Wildlife Photographer of the Year, GDT Europäischer Naturfotograf des Jahres, Big Picture, National Geographic Photo Contest und Sony World Photography Awards. Fitor war Referent bei WildPhotos und Jurymitglied bei den Wettbewerben NHM Wildlife Photographer of the Year, GDT Europäischer Naturfotograf des Jahres und MontPhoto. Zusätzlich zu seinen eigenen Produktionen arbeitet er regelmäßig als Fotograf, Kameramann und naturkundlicher Berater für führende Sendeanstalten, darunter die weltberühmten SilverBack Films und die BBC Natural History Unit. Angel Fitor glaubt fest an das Potenzial des Fotojournalismus, um Veränderungen bei drängenden Umweltproblemen herbeizuführen, und an die Kraft der Fotografie, um ein nachhaltiges, generationenübergreifendes Bewusstsein, Empathie und Liebe für die natürliche Welt zu wecken.

www.seaframes.com


INTERVIEW MIT ANGEL FITOR

Kategorie 1: Vögel

Die oft faszinierende Fortpflanzung der Vögel , die Dynamik des Vogelzuges, der oftmals dramatische Kampf um Nahrung, bizarre Formen und prächtige Farben sowie die Eleganz des Fluges sollen in den Bildern dieser Kategorie zum Ausdruck kommen.

Kategorie 2: Säugetiere

Vom Feldhamster bis zum Elefanten, vom Blauwal bis zur Fledermaus – die Welt der Säugetiere ist bunt und facettenreich. Gefragt sind Bilder, die das Wesen dieser Tiere zum Ausdruck bringen, von ihrem Verhalten erzählen oder sie in ihrem natürlichen Lebensraum zeigen.

Kategorie 3: Andere Tiere

Aussehen und Lebensgewohnheiten von Reptilien, Amphibien, Insekten, Spinnen und Weichtieren sind oft spektakulär. Bilder, die den Blick auf den Charakter und die Schönheit dieser Tiere lenken, sind hier gefragt.

Kategorie 4: Pflanzen und Pilze

Diese Kategorie möchte den Blick des Betrachters sowohl auf die Schönheit und Ästhetik von Pflanzen und Pilzen, als auch auf ihre Anpassungen an den Lebensraum lenken. Hier werden Bilder gesucht, die z. B. mit Licht und den Mitteln moderner Bildgestaltung spielen.

Kategorie 5: Landschaften

Von der Kulturlandschaft vor unserer Haustür bis hin zu entlegenen Regionen der Welt, vom Detail bis zu großen Übersichten der Lebensräume, von Wetterphänomenen bis zu der gestaltenden Kraft von Wind und Wasser reichen die Themen dieser Rubrik.

Kategorie 6: Unterwasserwelt

Der blaue Planet – 71% seiner Oberfläche sind von Wasser bedeckt. Meere, Flüsse und Seen beherbergen eine unendliche Fülle von Leben. Diese Kategorie gibt uns einen Einblick in eine verborgene Welt, mit ihren Tieren, Pflanzen und Lebensräumen, im Süß- wie im Salzwasser.

Kategorie 7: Mensch und Natur

Der Mensch greift auf vielfältige Weise in die Natur ein. Bildbeispiele für solche Eingriffe sind das Thema dieser Kategorie. Fotografien, die aufrütteln, nachdenklich stimmen, überraschen oder einfach nur zum Schmunzeln anregen.

Kategorie 8: Atelier Natur

In diese Kategorie gehören Bilder, die sich mit Farben und Formen der Natur über das rein Gegenständliche hinaus beschäftigen. Hier kann der Fotograf seine Sichtweise, sein ästhetisches Empfinden und seine fotografische Experimentierfreudigkeit zum Ausdruck bringen.

Kategorie: Jugend bis 14 Jahre

In dieser Kategorie werden Jugendliche in den Altersklassen bis 14 Jahre und 15 bis 17 Jahre eingeladen, ihre besten fünf Naturfotos thematisch ungebunden einzureichen (sie brauchen sich NICHT an die vorgegebenen Kategorien zu halten).

Kategorie: Jugend 15 - 17 Jahre

Kategorie: Fritz Pölking Preis und Fritz Pölking Jugendpreis

Der Fritz Pölking Preis ist ein Sonderpreis des Wettbewerbs und wird seit vierzehn Jahren zu Ehren des 2007 verstorbenen Fritz Pölking von der Gesellschaft für Naturfotografie (GDT) gemeinsam mit dem Tecklenborg-Verlag ausgeschrieben. Er wird jährlich für ein herausragendes fotografisches Werk vergeben.

zum Fritz Pölking Preis

Geleitwort - Europäischer Naturfotograf des Jahres 2021

von Prof. Dr. Beate Jessel

Bilder sagen mehr als tausend Worte – dies gilt in besonderem Maße für die preisgekrönten Motive des GDT Wettbewerbs Europäischer Naturfotograf des Jahres. Das ausdrucksstarke diesjährige Gewinnerfoto von Angel Fitor Ballett der Medusen weckt durch die Illusion eines Quallenschwarms Assoziationen mit einem Trend, den wir überall in stark übernutzten Meeren beobachten können. Nicht mehr intakte marine Ökosysteme und die Erwärmung der Meere in Folge des Klimawandels fördern die Zunahme einzelner Arten, wie auch der Quallenart Cotylorhiza tuberculata. Die Dominanz weniger Arten führt zu Verdrängungseffekten, die für die Meeresnatur problematisch werden können und negative Effekte für Fischerei und Tourismus mit sich bringen.

Auch unsere deutsche Nord- und Ostsee sind in einem schlechten Zustand und ihre Ökosysteme mittlerweile weit von ihrem natürlichen Zustand entfernt. Während die Biodiversität stetig abnimmt, nehmen Fischerei, Schifffahrt und Windenergie, aber auch stoffliche Belastungen und Müll zu. Meeresschutz ist daher wichtiger denn je und kann auf vielfältige Weise nicht nur langfristig der maritimen Wirtschaft helfen, beispielsweise durch Sicherung stabiler Fischbestände, sondern auch im Kampf gegen den Klimawandel.

Die Gesellschaft für Naturfotografie feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung setzt sie sich für eine Naturfotografie ein, die sich gleichermaßen zu Authentizität, Naturschutz und künstlerischer Qualität bekennt. Dass dies kein Widerspruch, sondern ein fruchtbarer Dreiklang ist, zeigt sich in den faszinierenden Aufnahmen und Naturimpressionen des Wettbewerbs Europäischer Naturfotograf des Jahres 2021. Sie unterstreichen einmal mehr die außergewöhnliche Qualität der europäischen Naturfotografie.

Bereits zum zweiten Mal wurde der Fritz Pölking Preis im Rahmen des Wettbewerbs als eigenständige Kategorie verliehen, bei dem mehrere Bilder als Teil einer Story eingereicht werden konnten. Ausgezeichnet wurde das fotografische Projekt von Jasper Doest, das auf beeindruckende Weise den traditionsreichen Heuschreckenfang in Uganda darstellt. Dessen Zukunft ist von Klimawandel, Abholzung der Wälder für Palmölplantagen und dem Einsatz von Pestiziden bedroht, da Lebensräume der Insekten verloren gehen. Die Bilder schärfen unser Bewusstsein dafür, dass der Insektenrückgang nicht nur in Deutschland Thema ist, sondern in anderen Teilen der Welt die Lebensgrundlagen der Menschen direkt betreffen kann.

Die einzigartigen Bilder der besten Naturfotografinnen und Naturfotografen Europas in diesem Wettbewerb führen die Schönheit, Einzigartigkeit und Fragilität der Natur – im wahrsten Sinne – vor Augen. Angesichts der weltweiten Biodiversitäts- und Klimakrise mahnen sie zugleich einen respektvollen Umgang mit ihr und fordern uns zum Handeln auf.


Prof. Dr. Beate Jessel
Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz
Schirmherrin des Wettbewerbs

Kommentar der Jury

>>> zur Jury

von Jim Brandenburg

Die Jurierung von Fotowettbewerben ist meiner Erfahrung nach mit vielen komplexen Gefühlen verbunden. Es ist mir nicht möglich, mich von diesen Gefühlen zu lösen, wenn ich die Beiträge sehe, die von Tausenden hoffnungsvollen Fotografen eingereicht werden. Da ich schon oft auf der anderen Seite dieses Prozesses stand, kenne ich die Hoffnungen und Erwartungen, die in jedem einzelnen Bild stecken, sehr gut. Es sind kostbare Momente, die auf ihre ganz eigene Art und Weise festgehalten wurden. Es wäre sehr aufschlussreich, wenn wir in der Lage wären, uns zusammen mit dem Fotografen in den Moment der Entstehung des Bildes zu versetzen, oder vielleicht sogar in den noch stärkeren Moment, in dem man wirklich erfasst, wie gut das Ergebnis ist.

Bei einigen wenigen Gelegenheiten, wenn die Sterne mir hold waren, hatte ich persönlich das Glück, dass mir ein gutes Bild gelang, das dann auch der Jury gefiel. Aber ich erinnere mich auch noch gut an Bilder und Geschichten, die mir sehr am Herzen lagen und die dennoch abgelehnt wurden. Wenn die Sterne richtig stehen, kann sich das Leben und die berufliche Situation eines Menschen manchmal ändern – so wie bei mir. Die in den eingesandten Bildern verborgenen persönlichsten Geheimnisse sind eine Art stiller Wunsch, wenn nicht sogar ein flüsternder Appell. Ich habe das Gefühl, dass manche Bilder eine Art geheimnisvoller Energie in sich tragen, die ich manchmal sogar sehen kann. Und ich frage mich, ob andere Juroren unbewusst darauf reagieren. Ich habe sie nie gefragt. Es kann anstrengend sein, im Laufe der Jurierung Tausende von Entscheidungen zu treffen, ein Prozess, der sich bei einem großen Wettbewerb wie diesem manchmal über Wochen hinziehen kann. Wenn man in der frühen Phase der Vorjurierung alleine entscheidet, fühlt es sich sogar irgendwie noch anstrengender an. Aber ich schätze mich glücklich, dass ich in diesem Jahr beim Wettbewerb Europäischer Naturfotograf des Jahres während der Videokonferenzen, bei denen wir Juroren aus vielen Teilen der Welt über einen Bildschirm verbunden waren, mit so umsichtigen und harmonischen Kollegen zusammenarbeiten konnte. Die Verantwortung, alleine über die „Auserwählten“ zu entscheiden, wiegt schwerer, als wenn man mit einem talentierten Team zusammenarbeitet, das sich einig ist.

Ich denke oft darüber nach, dass ein Foto ein schwer fassbares und nicht leicht zu beschreibendes „Gefühl“ vermittelt. Es ist nicht messbar und verändert sich mitunter; die Wirkung kann bei verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich sein. Wir alle haben das schon oft erlebt. Das macht den Bewertungsprozess noch komplexer – die Abstimmung kommt an verschiedenen Tagen mit der gleichen Auswahl an Bildern zu einem anderen Ergebnis. Das ist ganz normal. Ich habe erlebt, dass Bilder, die zu Beginn der Jurierung übergangen wurden, sich in der Endphase unwiderruflich an die Spitze setzten und andersherum. Ich habe auch das Gefühl, dass es manchen Fotografen gelingt, diese schwer fassbare Qualität eines Motivs erst zu spüren und dann zu sehen und einzufangen. Ich frage mich oft, ob diese Fähigkeit angeboren ist oder ob man sie sich früh im Leben aneignet und verfeinert, vielleicht sogar beides. Diese Frage beschäftigt uns seit Beginn der Diskussion über Kreativität und Kunst.

Für mich ist das Ablichten eines Motivs, das mir am Herzen liegt, mit einer Art stillem persönlichem Gebet gleichzusetzen, das in einem fast tranceartigen, entschlossenen Zustand entsteht. Sicherlich ist Gebet ein passendes Wort, wenn es darum geht, die Gefühle zu beschreiben, die manche von uns gegenüber der Natur empfinden. Unsere Bilder werden zu „Opfergaben“ – wie Gebetsfahnen. Ich hoffe, dass ihre Existenz irgendjemanden irgendwo in der Welt beeinflusst oder inspiriert. Tibetische Gebetsfahnen werden verwendet, um Mitgefühl, Kraft und Weisheit zu fördern. Die Fahnen tragen keine Gebete an die Götter – das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Vielmehr sollen die „Gebete“ vom Wind verweht werden, um den guten Willen und das Mitgefühl in den alles durchdringenden Raum zu tragen. Inspiration …

Von Angel Fitor stammt das inspirierte, wie aus einer anderen Welt stammende Siegerfoto des diesjährigen Wettbewerbs – Ballett der Medusen. Wir sind uns nie begegnet und haben auch nie über seine Erfahrungen bei der Erstellung des Bildes gesprochen, aber ich habe das starke Gefühl, dass er sich dabei in dieser fast gebetsähnlichen Welt befand. Sein kraftvolles Bild hat uns Jurymitglieder auf vielen Ebenen stark angesprochen, und nach der ökologischen Katastrophe, die nur kurze Zeit später am Entstehungsort – der spanischen Lagune Mar Menor – stattfand, kann es auch für die massiven Umweltprobleme dieser Region sprechen. Vielleicht kann dieses preisgekrönte Bild auf einer größeren Bühne ein Sprachrohr werden und die Art von Veränderung bewirken, die die meisten von uns anstreben.

Im Namen der Jury,
Jim Brandenburg

Katalog zum Wettbewerb 2021

Mit Stolz präsentiert die GDT in jedem Jahr einen hochwertigen Katalog. In diesem Jahr zeigt er auf über 156 Seiten die prämierten Aufnahmen von 78 Fotograf*innen aus über 36 europäischen Ländern. Die fantastischen Bilder sollen nicht nur Beispiel sein für die außergewöhnliche Qualität europäischer Naturfotografie; sie sollen darüber hinaus für den Erhalt von Arten und Lebensräumen werben und dazu anregen, Natur neu zu entdecken und sich respektvoll mit allen Sinnen auf sie einzulassen.

Preis: 22,00 € zzgl. Versand

Zu bestellen beim Tecklenborg-Verlag.

Wir danken unseren Sponsoren: