FRITZ PÖLKING PREIS 2018

Kommentar der Jury 2018

Von Sebastian Hennigs und Ralph Gräf

„The same procedure as every year“, getreu dieses bekannten Spruches traf sich auch in diesem einzigartigen Hitzesommer wieder eine kleine Gruppe, bestehend aus Gisela Pölking, Mitgliedern der Familie Tecklenborg und einigen Fotografen der GDT, um die Sieger des diesjährigen Fritz-Pölking-Preises zu bestimmen. Vor dem Hintergrund der insgesamt überschaubaren Zahl an hochkarätigen Portfoliowettbewerben in der Naturfotoszene waren wir als Jury des Fritz-Pölking-Preises etwas überrascht, dass sich nur 94 Teilnehmer/innen entscheiden konnten, ein Portfolio für diesen sowohl renommierten als auch vom Preisgeld her attraktiven Wettbewerb einzureichen.

Dennoch war das Spektrum der Arbeiten erfreulich breit und reichte von abstrakter künstlerischer Naturfotografie und Landschaftsfotografie über Naturschutzreportagen bis hin zu beeindruckenden Tierportraits.

von links: Gisela Pölking, Dr.Ralph Gräf, Stefanie Tecklenborg, Sebastian Hennigs, Paul Kornacker, Marc Hesse

Etwas enttäuschend war, dass doch eine erstaunlich große Zahl an Portfolios die erste Jurierungsrunde nicht überstand, nicht selten, weil die Bildstrecken trotz teils sehenswerter Einzelbilder keinen klaren inhaltlichen Zusammenhang erkennen ließen, der bei einem Portfoliowettbewerb aber notwendig ist.

So fanden sich innerhalb eines Portfolios oft nicht nachvollziehbare Wechsel zwischen Farb- und Schwarzweißbildern, muntere Wechsel zwischen den Bildformaten oder Einzelbilder, die einfach inhaltlich oder qualitativ nicht zum Rest der Serie passten. Viele Teilnehmer/innen konnten offensichtlich der Versuchung nicht widerstehen, mehr Fotos als für ihre Geschichte notwendig einzureichen, so dass eigentlich gute Bildstrecken durch unnötige Ausreißer in der Bewertung nach unten gezogen wurden. Wie so oft gilt: Weniger ist mehr.

Doch es gab auch einige Wettbewerbsbeiträge, denen man sofort ansah, dass sie würdige Preisträger des Fritz-Pölking-Preises sein könnten. Dabei gab es aber auch innerhalb der Jury hitzige Diskussionen zwischen den Bildstrecken, die die Schönheit der Natur in den Vordergrund stellten, und zwischen den hochwertigen Bildreportagen, die Umweltprobleme und Naturschutz zum Inhalt hatten. Schlussendlich fiel die Wahl auf eine beeindruckende Bildstrecke über einen nicht nur seltenen, sondern zugleich auch scheuen und wenig fotografierten Vertreter unserer Vogelwelt. Die Bilder von Johannes Wassermann aus dem Leben des Haselhuhns hinterließen bei uns einen bleibenden Eindruck. Ihnen ist anzusehen, dass nicht nur viel Geduld, sondern auch eine innige Beziehung des Fotografen zu seinem Motiv für eine überzeugende Bildstrecke von Bedeutung ist. Sein Porträt dieser besonderen Vogelart ist einzigartig.

In der Jugendkategorie fiel die Wahl auf den 22-jährigen polnischen Naturfotografen Mateusz Piesiak, der ein wunderschönes winterliches Portfolio zum Fritz-Pölking-Nachwuchspreis einreichte. Seine Bilder schaffen es besonders eindrucksvoll, die Stimmung dieser kühlen und farblich reduzierten Jahreszeit zum Ausdruck zu bringen.

Für die Zukunft wünschen wir allen Naturfotografen mehr Mut für Bildstrecken, denen ein klares Konzept zugrunde liegt. Viel zu oft scheint es nur noch um das wettbewerbsfähige Einzelbild zu gehen, mit dem man sich bereits in Internetforen oder auf Social-Media-Kanälen seine Anerkennung abholen konnte. Doch welche Wirkung schöne und durchdachte Bildstrecken auf den Betrachter haben können, ist uns allen bei dieser Prämierung wieder offensichtlich geworden.