FRITZ PÖLKING PREIS 2012

Kommentar der Jury 2012

Von Theo Bosboom

An einem sonnigen Sonntag Ende April traf sich die Jury in Steinfurt, um die Gewinner des Fritz Pölking Preises zu ermitteln, der nun schon im fünften Jahr ausgeschrieben worden war.

Die Arbeit der Jury verlief ausgesprochen harmonisch, und es gab kaum Unstimmigkeiten darüber, welcher Beitrag eine Runde weiterkam und welcher nicht. Auch die Wahl der letztendlichen Sieger in beiden Kategorien erfolgte einstimmig. In diesem Jahr waren die Teilnahmebedingungen dahingehend geändert worden, dass ein Portfolio oder Projekt mindestens 8 Bilder umfassen musste (vorher 10) und maximal 12 (ehemals 20). Doch trotz dieser Restriktion musste die Jury feststellen, dass es vielen Teilnehmern offensichtlich schwergefallen war, die Regeln „Weniger ist mehr“ und „Töte Deine Lieblinge“ zu befolgen. Eine ganze Reihe eigentlich gelungener Einsendungen hatte keine Chance auf ein Weiterkommen, weil den mindestens erforderlichen 8 Bildern noch weiteres, leider sehr schwaches Material hinzugefügt worden waren. Die Reduktion auf die besten Bilder ist und bleibt wohl weiterhin ein Problem für viele Fotografen.
Den Fritz Pölking Preis zu gewinnen, ist zweifelsohne nicht leicht. Es bedarf herausragender Bilder, die technisch sauber ausgearbeitet sein müssen. Aber das allein ist noch nicht genug. Denn darüber hinaus müssen die Bilder einer Einsendung ein originelles Thema behandeln, inhaltlich und stilistisch zueinander passen und nicht zuletzt eine ausreichend große Diversität aufweisen. Beiträge, die nur eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllen konnten, blieben chancenlos.

Ein Fotograf, der genau weiß, welche Zutaten man für eine gute Story braucht, ist Ingo Arndt. Schon 2008 hat er diesen Wettbewerb gewonnen, mit einer großartigen Bildstrecke über den Lebenszyklus des Monarchfalters. Dass es ihm nun schon zum zweiten Mal gelungen ist, die Jury mit seiner Arbeit zu überzeugen, ist eine bemerkenswerte Leistung! Wir Juroren waren uns einig, dass er mit seinem Fotoprojekt Neues Leben, das sich mit dem Schlupf von Insekten und Reptilien beschäftigt, ein ungewöhnliches Thema gewählt hat, das fotografisch durchgängig auf höchstem Niveau ausgearbeitet wurde, und das uns Bilder präsentiert, die man so noch nie zuvor gesehen hat.

Wieder einmal war die Jury positiv überrascht von den Einsendungen zum Fritz Pölking Nachwuchspreis. Die jungen Fotografen scheinen oft viel kreativer zu sein, mutiger in ihrer Bildsprache und weniger verhaftet im alten Regelwerk der Fotografie. Es fiel uns Juroren ausgesprochen schwer, uns für einen der Teilnehmer, die die letzte Runde erreicht hatten, zu entscheiden. Am Ende fiel die Wahl einstimmig auf Zoltán Gergely Nagy, einen jungen Fotografen aus Rumänien. Seine Story über die Stare in Blackpool wurde kreativ und kohärent umgesetzt und umfasst zudem eine Reihe von ausgesprochen starken Einzelbildern.