FRITZ PÖLKING PREIS 2011

Kommentar der Jury 2011

Von Markus Botzek (für die Jury)

Im Haus Sonnenwinkel an den beschaulichen Hängen des Teutoburger Waldes kam nun schon zum vierten Male eine Jury zusammen, um aus den vielen Einsendungen zum Fritz Pölking Preis einen Sieger zu ermitteln. Einerseits ist man als Juror zwar immer gespannt darauf, was man alles zu sehen bekommen wird, doch andererseits muss man sich für einen ganzen Tag in einen abgedunkelten Raum zurückziehen, während draußen die Sonne scheint und die Schmetterlinge über die Wiesen flattern. Wie gerne würde man da selber zur Kamera greifen.

Allerdings waren die eingereichten Arbeiten der Naturfotokollegen durchaus dazu angetan, die Schmetterlinge und die eigene Kamera im Nu vergessen zu machen. Eine Vielzahl wunderbarer Naturfotos beschäftigte die Jury und führte zu Erstaunen, Überraschung und manchmal auch Erheiterung. Nach emotionalen Diskussionen waren schnell eine Handvoll Arbeiten ausgemacht, die das Rennen unter sich ausmachen sollten. Bis zum endgültigen Ergebnis aber verging viel Zeit, und die Argumente mal für dieses Portfolio, mal für jene Serie gingen hin und her. Auffällig war dieses Mal, dass sich die Portfolios gegenüber den Stories lange zu behaupten wussten. Letztendlich aber hat sich die Story von Klaus Echle durchgesetzt, da sie unterschiedliche fotografische Techniken mit einem guten Blick für den richtigen Moment und einem roten Faden am besten miteinander verband.

Bei den jungen Fotografen ging es im Großen und Ganzen beinahe etwas „peppiger" zu. Fast noch lebhafter war das Feilschen der Jury untereinander um die jeweiligen Favoriten, ausgelöst durch die zuweilen mutige und lebendige Bildsprache der Autoren. Dass nicht immer alles schon perfekt umgesetzt worden war, ist sowohl logisch als auch höchst erfreulich. Denn Fehler macht nur der, der sich an Neues heranwagt und Standards verlässt, derjenige, der sich traut, noch etwas zu lernen. Somit sind alle eingereichten Arbeiten, auch die, die es nicht auf das Siegertreppchen geschafft haben, als Schritte in die richtige Richtung zu verstehen. Die Serien und Portfolios, aus denen die Jury am Ende den Sieger bestimmte, wiesen alle einen Blick für das Besondere im Alltäglichen auf, schaften es, dem vermeintlich Unspektakulären Reize zu entlocken und diese in Bildern darzulegen. Das hohe Niveau, auf dem sich heutige Nachwuchsfotografen zum Teil schon befinden, lässt einen um die Zukunft der Naturfotografie nicht bange werden.

Das Portfolio von Radomir Jakubowski war dann doch noch einen Tick ausgereifter als die Einsendungen der Mitbewerber. Bildsprache, Lichtführung und Technik — hier stimmte einfach alles. Die qualitative Dichte der eingereichten Arbeiten lässt auf einiges hoffen, wenn im nächsten Jahr die Karten neu gemischt werden.