Kommentar der Jury 2009

Von Werner Bollmann

Heiß war es an diesem Juli-Wochenende, als sich die Jury traf, um die Sieger des 2008 ins Leben gerufenen Fritz Pölking Preises zu wählen. Und so war es ausgesprochen angenehm, im kühlen, abgedunkelten Raum zu sitzen und die Fülle von Bildern zu genießen. Die Zahl der Einsendungen hatte sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert, die Qualität auch. Selbst aus dem fernen Japan gab es einen Beitrag. Nach einigen Stunden waren dann noch drei Teilnehmer im Rennen; ein Portfolio und zwei Storys. Und auch in diesem Jahr hat sich wieder eine Reportage durchgesetzt, ein fotografisch anspruchsvolles Projekt des US-Amerikaners Kevin Schafer, der nie zuvor Gesehenes aus dem Leben des Amazonas-Delfins eingereicht hatte. Sicher, der Aspekt des Neuen, Unbekannten spielte eine Rolle bei der Entscheidungsfindung. Und auch die technischen Schwierigkeiten, die bei der Untenwasserfotografie im trüben Wasser Amazoniens unweigerlich auftreten müssen. Doch den letztendlichen Ausschlag gab, dass diese Schwierigkeiten technisch brillant gelöst wurden und ein abwechslungsreiches, ästhetisch ansprechendes Gesamtkonzept vorlag. Gegenlichtaufnahmen, die an Ichthyosaurier erinnern, intime Porträts, die Einbeziehung des Lebensraums und die gekonnte Darstellung interessanter Verhaltensweisen: Die Jury war sich einig, der Preisträger des Jahres 2009 stand fest.

Wie bereits imVorjahr scheiterten viele Einsendungen an einem klaren „zu viel" an Bildern. Eine Reduktion auf das Wesentliche ist sicherlich eine Herausforderung, da man gerne so viel wie möglich von seiner Arbeit zeigen will. Doch diese Aufgabe muss gelöst werden, gerade bei den Portfolios. Denn zu oft wird die Qualität sehr guter Bilder durch schlechtes Füllmaterial zunichte gemacht. Aber auch eine große Zahl schöner Bilder — jedes für Sich betrachtet hervorragend — ergibt noch kein Portfolio, wenn der Kontext, in dem die Bilder stehen sollen, für den Betrachter nicht ersichtlich wird.

Interessantenweise hatten die jungen Fotografen, die sich um den Fritz Pölking Nachwuchspreis bewarben, damit weniger Schwierigkeiten. Viele sauber komponierte Portfolios und einige sehr ansprechende Projekte zeigten, dass es um den Nachwuchs in der internationalen Naturfoto-Szene gut bestellt ist. Der 17-jährige Fergus Gill schlug die Konkurrenz knapp. Wie bereits Jerzy Grzesiak, der Preisträger des Vorjahres, zeigt er mit Motiven aus seiner schottischen Heimat, dass gute Naturfotografie häufig dann entsteht, wenn man sich intensiv mit der Natur in der näheren Umgebung auseinandersetzt. Dass er zudem ausschließlich monochrom anmutende Bilder aus dem Winter einreichte, die Adaption der Tiere an die kalte Jahreszeit zeigte, gepaart mit der schönen Lichtstimmung der winterlichen Highlands, macht nach Auffassung der Jury die Qualität dieses Portfolios aus.