FRITZ PÖLKING PREIS 2015

Kommentar der Jury 2015

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Von Werner Bollmann

„Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel – man weiß nie, was man bekommt“. Dieser berühmte Satz aus dem Filmklassiker „Forrest Gump“ gilt nicht nur für das Leben im Allgemeinen, sondern gerade auch für eine Jurierung, denn jedes Mal von neuem ist es spannend zu sehen, was Fotografen an Bildern und Themen aus aller Welt einsenden. Und die Schachtel war gut bestückt: Interessante Portfolios, spannende Reportagen – es war alles dabei an diesem April-Sonntag in Bad Essen, wo sich die fünfköpfige Jury eingefunden hatte, um über die diesjährigen Gewinner des Fritz-Pölking-Preises zu entscheiden. Rund 120 Einsendungen galt es in mehreren Runden zu sichten und leider auch zu lichten, denn in der Jugend- wie auch in der Erwachsenenkategorie dieses Wettbewerbs konnte es, wie immer, jeweils nur einen Sieger geben. Aber zum Glück waren nicht nur die Einsendungen von hoher Qualität, auch die Jury, bestehend aus Gisela Pölking, Hubert Tecklenborg, Marion Vollborn, Hermann Hirsch und mir, bildete ein gutes Team, in das jeder seine Kenntnisse gewinnbringend einbringen und Meinungen vertrauensvoll vertreten konnte.

hinten links: Hermann Hirsch und Werner Bollmann
vorne links:  Hubert Tecklenborg, Gisela Pölking, Marion Vollborn und Wettberwerbs-Leiter Marc Hesse

Aus langjähriger persönlicher Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass es kaum etwas Angenehmeres gibt, als die anspruchsvolle Aufgabe einer Jurierung in positiver Grundstimmung zu verrichten.Und am Ende standen dann beide Gewinner mit einstimmiger Beteiligung der Jury-Mitglieder fest – wir hatten unsere „besten Pralinen“ gefunden. In der Erwachsenenkategorie setzte sich eine spannende Story über ein charismatisches, bislang kaum in Freiheit fotografiertes Tier durch, den Fennek. Er ist nachtaktiv und extrem scheu, lebt in abgelegenen Wüstenregionen Nordafrikas, in Ländern, die sich nicht unbedingt durch stabile politische Verhältnisse hervortun, wo Sandstürme und Fliegenschwärme das Leben zur Hölle machen können. Ein mutiges Unterfangen also, solch ein Projekt anzugehen. Und fotografiert hat diese Geschichte einer, der dafür bekannt ist, keine Strapazen und Hindernisse zu scheuen, der oft erst da anfängt, wo andere längst aufgegeben haben – Bruno D’Amicis aus Italien. Mit seinem Portfolio gibt er uns einen großartigen Einblick in das Leben und manchmal auch Leiden des kleinen Fuchses mit den großen Ohren.

Als willkommene Überleitung zum Sieger des Fritz-Pölking-Nachwuchspreises bietet sich an dieser Stelle eine kleine Anmerkung zu den Einsendungen in der Erwachsenenkategorie an. Sie wiederholt sich zwar Jahr für Jahr gebetsmühlenartig in den Kommentaren der Jury, aber auch ich möchte es hier noch einmal hervorheben: sehr, sehr viele Beiträge litten unter erheblichen Redundanzen und hatten dadurch unnötig früh ihre Chance verspielt. Es ist wie bei so vielen Vorträgen – die Reduktion auf das Wesentliche scheint den meisten Fotografen schwerzufallen. Aber, und auch das taucht fast alljährlich in den Kommentaren auf, dieses Problem gab es bei den Einsendungen zum Fritz-Pölking-Nachwuchspreis kaum. Wieder einmal stellte sich heraus, dass die fotografische Jugend es hervorragend versteht, ihre Portfolios und Reportagen zu editieren. Umso schwerer fiel uns Juroren die Wahl. Sie fiel dann aber letztlich doch einstimmig auf das Portfolio des jungen Kanadiers Connor Stefanison, der mit einem abwechslungsreichen, informativen und unglaublich sauber ausgearbeiteten Portfolio über Schneeziegen überzeugen konnte. Mit eindringlichen Portraits und Bildern von Verhaltensweisen stellt er uns das Leben und die hochmontane Welt dieser eleganten Tiere vor. Wieder einmal konnte man abschließend beruhigt feststellen, dass man sich um den naturfotografischen Nachwuchs keine Sorgen machen muss. Es warten noch viele Pralinen auf zukünftige Jurys...