05.02.2017 / Nachruf

Die GDT trauert um Hubert Tecklenborg

„Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ein Erfolg.“ Herny Ford

Mit großer Trauer und Anteilnahme haben der Vorstand und die Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen (GDT) den plötzlichen Tod des Verlegers Hubert Tecklenborg aufgenommen. Er verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit am 28. Januar 2017, im 70. Lebensjahr in seiner Heimatstadt Steinfurt. Drucken und Verlegen war seine Passion, der er Zeit seines Lebens mit Fleiß, Leidenschaft und Visionen nachging. Qualität war dabei sein Maßstab.

Er führte das im Jahr 1898 gegründete und ihm von seinem Vater übertragene Unternehmen mit Zielstrebigkeit fort. Fest verwurzelt am Standort im münsterländischen Steinfurt, ist aus der einstigen Druckerei heute ein moderner Druck- und Mediendienstleister sowie ein europaweit anerkanntes Verlagshaus gewachsen, das als inhabergeführtes Familienunternehmen durch die Qualität seiner Erzeugnisse, die Flexibilität in der Unternehmensführung und den persönlichen Kontakt zu den Kunden und Partnern besticht. Hubert Tecklenborg reichte es nicht, heute gut zu sein. Er fragte nach der Zukunft. Er verlangte sich und anderen Kreativität und Aufgeschlossenheit für neue Technologien ab.

Das Genre der Naturfotografie hat Hubert Tecklenborg viel zu verdanken. Es muss im Jahr 1994 gewesen sein, als er von Fritz Pölking die Zeitschrift „Fotografie draußen“ übernahm. Als „Naturfoto“ wurde daraus das wichtigste Medium der Naturfotografie im deutschsprachigen Raum. Die Zeitschrift ist “Pflichtlektüre“ für jeden Naturfotografen. Mit ihr stand einer wachsenden Gruppe von Naturfotografinnen und -fotografen eine Fachzeitschrift zur Seite, die informiert, reflektiert, anregt und hinterfragt. Sie setzt auf die Naturfotografen als Autoren und gibt somit Newcomern und „alten Hasen“ gleichermaßen die Chance, ihre Arbeiten zu publizieren. Allein für dieses erstklassige Sprachrohr der Naturfotografie gebührt Hubert Tecklenborg Dank und Anerkennung.

Hubert Tecklenborg erkannte sehr früh, dass die Naturfotografie sich wandelt. Nicht mehr die Dokumentation allein stand im Vordergrund. Sie entwickelte sich weiter, mit einem zunehmend künstlerischen Anspruch. Die neue, ästhetische Qualität vieler Fotografien verlangte nach einer angemessenen Darstellungsweise. Großzügige Layouts mit einer überzeugenden Gestaltung, die Verbindung von Inhalt, Form und Farbe, kurze, prägnante Texte und Raum für die Fotografien. Mit diesem Anspruch hat Hubert Tecklenborg den Tecklenborg Verlag gegründet und ihn in sehr kurzer Zeit zu der Adresse für Naturbücher gemacht. Dieser unermüdliche Einsatz des Verlegers und die Stetigkeit seines Engagements haben den Stellenwert der Naturfotografie sehr gefördert.

Das Leitwort des Hauses Tecklenborg stammt von Henry Ford und lautet: „Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ein Erfolg.“ Aus diesem Wort spricht Partnerschaftlichkeit und Verlässlichkeit, ebenso wie das persönliche Interesse an dem anderen und seinen Ideen.

Hubert Tecklenborg setzte sich ein. Sein Schaffensdrang, sein Verantwortungsbewusstsein und seine Leidenschaft galten aber nicht nur seinem Unternehmen. Nach dem Tod seines Freundes Fritz Pölking stiftet er jährlich, in Kooperation mit unserer Gesellschaft, den „Fritz Pölking Preis“ und den „Fritz Pölking Nachwuchspreis“ für herausragende Projekte und Portfolios. Auf diese Weise hat er die Arbeiten von Nachwuchsfotografen gefördert und maßgeblich zum Renommee des Wettbewerbs der GDT beigetragen.

Gerne erinnere ich mich an meine erste Begegnung mit ihm. Ein Anruf erreichte mich: „Können Sie mal kommen?“ wurde ich kurz und knapp gefragt. Gerne fuhr ich nach Steinfurt, um ehrfürchtig und gut vorbereitet für die Idee eines
„Moor-Tagesbuches“ zu werben. Zwischen hunderten Bildbänden und stapelhohen Manuskripten saß ich dort und fragte mich nach einiger Zeit, warum ausgerechnet die Idee eines jungen Fotografen ohne viel Erfahrung und einem lokalen Thema das Interesse dieses Verlegers finden sollte? Ich weiß nicht, ob er sich wirklich für das Moor interessierte, aber nach einer ordentlichem „Musterung“ sagte er kurz und bündig: „Wir machen das“.
Diese kurze Episode zeigt, wie ich Hubert Tecklenborg persönlich kennen- und schätzen gelernt habe. Er war ein Selbständiger, der seine Arbeit selbst und ständig machte. Er war ein Mann, dessen Wort galt.
Als das Moor-Tagebuch fertig war, hielt er das erste Exemplar in der Hand, schaute im flachen Gegenlicht über den Titel, roch mit geschlossenen Augen an dem Papier und ließ die Seiten langsam durch die Finger gleiten. Dann sagte er: „Es ist gut“.

Mit seiner Familie trauern wir um einen visionären Verleger und Förderer der Naturfotografie.


Vechta, den 3. Februar 2017
Willi Rolfes
für die Gesellschaft Deutscher Tierfotografen.