Monatskritik

Juni 2010 - September 2010


1.Bild


Autor des Bildes:     Sebastian Erras

Kommentator:         Claudia Müller

 
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Kommentar

Eine der schönsten Orchideen und ein Hintergrund mit dem ein Fotograf arbeiten kann- 2 Komponenten für die jeder Makrofotograf in die Knie geht und seine Kreativität auf die Spielwiese schickt. Und was hat der Bildautor daraus gemacht? Im ersten Augenblick der Betrachtung ein „Boh, was für ein Bild“ und dann kommen die kleinen Abers angeschlichen… Der Fotograf hat ein schickes Exemplar des Frauenschuhs für seine Aufnahme ausgewählt, die Schärfe gut platziert und sie wunderbar freigestellt. Punkt. Aber er war aus meiner Sicht inkonsequent und hat nicht das komplette Potential der Situation ausgeschöpft. Die Bokehs allein geben dem Bild nicht genug „Drama“.

Ich hätte die Pflanze gerne aus der Bildmitte gerückt, vielleicht- ganz mutig- den Beschnitt ins Quadrat gewagt und das grüne Blatt angeschnitten und damit den Fokus konsequent auf die Blüte gelenkt. Die bokehfreie Zone direkt hinter der Blüte empfinde ich als etwas unglücklich gewählt. Gerne hätte ich die hellen Reflexe in der rechten oberen Ecke mehr im Bild und hinter der Blüte platziert gesehen. Die zarten Blütenblätter wären im Licht förmlich aufgeflammt, ihre feine Aderung die sie so unverwechselbar machen, würde stärker herausgetreten und wahrscheinlich hätte sich ein kleiner „Heiligenschein“ aus den feine Härchen um das fotografische Objekt der Begierde gelegt.

Ich kenne die Entstehungsursache der Bokehs in dieser Situation nicht. Sind sie durch weit entfernte lichtdurchbrochene Hintergrundstrukturen bedingt, kann man durch leichte Positionswechsel mit der Kamera sehr gezielt mit ihnen arbeiten. Sind sie durch Lichtreflexe auf einer bewegten Oberfläche (Wasser?) entstanden, heißt es Reflexe tanzen lassen und wie die Tierjägern mit der Kamera Dauerfeuer… dann selektieren, auf welcher Momentaufnahme die Bokehs gut platziert sind.

Mit seinem Bild zeigt Sebastian, dass er gut beobachtet und versucht aus der Situation heraus Bildideen zu entwickeln und umzusetzen. Ein guter Weg. Geht ihn weiter! Das Schöne an der Pflanzenfotografie ist, das man in jedem Frühjahr eine neue Chance bekommt und die „Kopfbilder“ die übers Jahr gereift sind, umsetzen kann.

Ach ja, da ist noch die Sache mit dem Fussel… Ich weiß, das schon heftigste Diskussionen über Söckchen und Blättchen und ihre störende Daseinsberechtigung geführt wurden und werden, aber Nahaufnahmen haben nun einmal die unangenehme Eigenschaft Dinge die man „in the field“ glatt übersieht, gnadenlos abzubilden. Deshalb, meine Empfehlung, den Fussel unter dem grünen Blatt einfach vorsichtig abzupfen. Der nächste Windhauch hätte ihn wohl eh verweht. ;)



2.Bild


Autor des Bildes:     Radomir Jakubowski

Kommentator:         Claudia Müller

 
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Kommentar

Hach, was für eine schöne berührende Szene, das kleine Gänse(blümchen)idyll gekonnt umgesetzt. Die zwei Kanadier, leicht aus der Mitte gerückt, gut im Bild platziert, wunderbar freigestellt vor einem freundlich friedlich zartgrünen monochromen Hintergrund, beide mit Blickkontakt zum Fotografen. Der Lichtpunkt im Auge gibt der ganzen Szenerie Lebendigkeit. Eine schöne Dreieckskomposition die den Blick des Betrachters wandern lässt. Sanftes Licht, eine schöne Zeichnung im Gefieder, gute Schärfenebenenwahl. Da gibt es nicht viel zu sagen. Das perfekte Bild. Vielleicht ist das sein größter Mangel…



3.Bild


Autor des Bildes:     Hermann Hirsch

Kommentator:         Stephan Tüngler

 
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Kommentar

Mein Fazit gleich vorweg: Ein Foto, das höheren Ansprüchen der Tierfotografie gerecht wird. Glückwunsch!

Ein Bild mit fantastisch weichem Licht, das den Lebensraum des Tieres mit einbezieht und zudem auch das Verhalten des Vogels zeigt – der Purpurreiher, der kurz vor der Landung im hohen Reet ist. Der Bildaufbau ist soweit auch gelungen – ich persönlich mag es immer gerne, Bilder etwas mehr anzuschneiden. In diesem Fall z.B. oben etwas mehr weg, links etwas mehr weg und nach unten rechts etwas mehr Platz geben. Das ist aber sicherlich Geschmacksache. Das Bild hat eine sehr hohe Intensität, denn das was wir in dem Bild sehen - die Landung des Vogels mit geöffnetem Schnabel in seinem Lebensraum – bekommt zudem durch das weiche Gegenlicht eine besonders homogene Note. Klasse dieses Licht!



4.Bild


Autor des Bildes:     Stefan Christmann

Kommentator:         Stephan Tüngler

 
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Kommentar

Wir sehen eine Detailaufnahme vom Fruchtstand des Bocksbartes, die eher klassisch fotografiert wurde (180mm Makroobjektiv, f8.0).

Auf den ersten flüchtigen Blick mag ich das Bild. Die weiche homogene Ausleuchtung für diese Makroaufnahme ist gut umgesetzt und die Wiedergabe bzw. Abbildung einiger Details sind auch gelungene Komponenten im Bild. Die abgebildeten Farbtöne finde ich sehr ansprechend. Der Bildaufbau ist jedoch nicht konsequent umgesetzt. Ansatzweise ist zwar eine Bildkomposition nach dem goldenen Schnitt erkennbar.

Aber das Auge des Betrachters wird durch die klaren fehlenden Diagonalen folgerichtig nicht zu einem Zentrum geleitet und springt letztendlich zwischen zwei dominanten Bildbereichen hin und her.

Fazit: Gute Bildidee, technisch gut umgesetzt, gestalterisch keine klare(n) Linie(n) erkennbar.